Agentic AI im Banking 
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Agentic AI im Banking: Der Posteingang war nur die Aufwärmphase

Geschrieben von
Bastian Lossen
CCO Managing Partner 
Veröffentlichungsdatum
12. Oktober 2026
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Die erste KI-Welle in Banken spielte sich im Posteingang ab. Eine bessere E-Mail. Ein vorformulierter Vermerk. Die Zusammenfassung eines Meetings, die ohnehin niemand gerne geschrieben hat. Diese Welle war leicht zu mögen und ebenso leicht zu ignorieren. Am Kontrollrahmen musste sich nichts Grundlegendes ändern. Und auch die Frage, wer am Ende unterschreibt, blieb unangetastet. 

Die zweite Welle ist anders. Sie zieht in Onboarding, Source of Wealth, KYC, AML und regelmäßige Reviews ein. Diese Prozesse verbinden hohes Volumen, viel Dokumentation und am Ende menschliches Urteilsvermögen. Genau deshalb werden sie früh industrialisiert werden. Und genau deshalb werden dort auch früh Probleme entstehen, wenn eine Bank nur Geschwindigkeit einkauft. 

Der Source-of-Wealth-Agent der Deutsche Bank Private Bank in Singapur und Hongkong zeigt ziemlich gut, wohin die Reise geht. Recherche, Zusammenführung, Konsistenz und Dokumentation können teilweise zum Agenten wandern. Die Prüfung bleibt beim Menschen, ebenso die Verantwortung. Der entscheidende Punkt ist damit klar: Aufgaben lassen sich automatisieren. Verantwortung bleibt beim Menschen. 

Diesen Satz würde ich über jedes Agentic-AI-Projekt in einem regulierten Institut schreiben.

Warum gerade diese Akten und nicht der Newsletter

Ein Quartalsbrief kann einen Fehler enthalten und der Kunde bleibt trotzdem. Eine Source-of-Wealth-Akte, die nicht schlüssig ist, kann ein Institut dagegen über Jahre beschäftigen. Dasselbe gilt für einen KYC-Prozess, der dreimal nach demselben Pass fragt, oder für eine AML-Narrative, die vollständig aussieht und es nicht ist. 

Während meiner Zeit im Banking bestanden solche Akten fast nie aus nur einem Dokument. Ein Unternehmensverkauf in einem Land. Dividenden in einem anderen. Ein Trust, der erst spät erwähnt wurde. Drei Versionen derselben Geschichte in drei Systemen. Der Relationship Manager sammelte eine Woche lang Nachweise. Compliance fragte in der Woche darauf einen Teil davon noch einmal ab. Beim Kunden kam nur eines an: die Verzögerung. 

Das ist kein Chatbot-Use-Case. Das ist ein Workflow-Use-Case. 

Ein Agent, der freigegebene öffentliche Quellen durchsuchen, sie mit den vorhandenen Unterlagen abgleichen, eine konsistente Narrative entwerfen und Unstimmigkeiten bei Daten oder Beträgen markieren kann, übernimmt sinnvolle Arbeit. Er macht aus dem Banker wieder die Person, die dem Kunden gegenüber sitzt, statt den Großteil ihrer Zeit mit Dokumentensuche zu verbringen.

Was Geschwindigkeit nicht lösen kann

Geschwindigkeit bringt wenig, wenn die Geschichte dahinter niemandem gehört. Sonst skaliert man nur eine schwache Akte schneller. 

Ich würde einen Piloten deshalb nicht an einem einfachen Angestelltenprofil bewerten. Dieser Fall wird in der ersten Demo gut aussehen. Ich würde die schwierige Akte nehmen: mehrere Gesellschaften, mehrere Jurisdiktionen, Vermögen, das nicht sauber als Gehalt eingegangen ist. 

Dann würde ich vier Fragen stellen:​

  • Hat der Agent eine konsistente Geschichte erstellt oder drei unterschiedlich formulierte?
  • Hat er den Widerspruch sichtbar gemacht, den ein Mensch vielleicht übersehen hätte, oder unter sauber klingender Sprache versteckt?
  • Kann der Banker die Schlussfolgerung erklären, ohne den Prompt-Verlauf zu öffnen?
  • Würde der Kunde seine eigene Geschichte in der Akte wiedererkennen?

Wenn die Antworten Ja lauten, ist das kein Experiment mehr. Wenn nicht, hat man einen schöneren Piloten und dieselbe alte Geschichte, nur schneller geschrieben.

Das Betriebsmodell, das im Workflow steckt

Regulierte Arbeit hatte schon immer drei Ebenen. Banken konnten sie lange miteinander vermischen, weil erfahrene Menschen die Lücken ausgeglichen haben: überprüfbare Fakten, eine Narrative, die schlüssig sein muss, und eine Beurteilung, die nicht einfach mit dem Prompt weitergereicht werden kann. 

Agentic AI kann bei den ersten beiden Ebenen sehr stark sein, wenn die Quellen klar und die Definitionen einheitlich sind. Bei der dritten wird es gefährlich, wenn die menschliche Unterschrift nur noch eine Formalität ist. 

Onboarding ist noch immer einer der ersten Beweise dafür, ob ein Institut um den Kunden herum organisiert ist oder um seine eigenen Abteilungen. Source of Wealth ist vielleicht die deutlichste Form dieses Tests. Wenn die Zusammenführung funktioniert, beginnt die Beziehung mit Kompetenz. Wenn nicht, landet der Schaden in der Akte.

Dasselbe gilt für regelmäßige Reviews. Wenn beim jährlichen Update jedes Mal eine komplett neue Version der Kundengeschichte entsteht, hatte man nie eine echte Wissensschicht. Dann hat man nur jedes Jahr denselben Text neu geschrieben.

Was ich einem etablierten Schweizer Institut sagen würde

Starten Sie nicht mit einem Copilot in Outlook und nennen Sie das Transformation. Starten Sie mit einem regulierten Workflow, bei dem der Schmerz real ist und sich ein klarer Verantwortlicher benennen lässt. 

Setzen Sie den Agenten auf Recherche, Abgleich, Entwurf und das Markieren von Ausnahmen. Lassen Sie die Schlussfolgerung bei einer Person, die erklären kann, wie sie zustande gekommen ist. Und sorgen Sie dafür, dass die Narrative weitergegeben wird. Die Geschichte, die das Onboarding verlässt, sollte auch beim nächsten Review wieder ankommen. 

Wenn drei Abteilungen weiterhin drei Versionen desselben Kunden führen, wird der Agent dieses Problem nicht lösen. Er wird die Uneinigkeit skalieren und ihr nur einen selbstbewussteren Ton geben. 

Der Posteingang hat KI harmlos und bequem wirken lassen. Im regulierten Workflow zeigt sich, ob Agentic AI wirklich tragfähig ist. Aufgaben können wandern. Die Akte braucht weiterhin einen Verantwortlichen. Geschwindigkeit ist nur dann Fortschritt, wenn dieselbe Geschichte auch die erste ernsthafte Prüfung übersteht. 

Wenn Sie sich anschauen möchten, wo Agentic AI in KYC, Source of Wealth, AML oder einem anderen regulierten Bankprozess tatsächlich Arbeit abnehmen kann, buchen Sie ein 30-minütiges Beratungsgespräch mit uns. Gemeinsam schauen wir auf einen konkreten Workflow, trennen die Aufgaben, die sicher an einen Agenten übergeben werden können, von den Entscheidungen, bei denen menschliches Urteilsvermögen und klare Verantwortung unverzichtbar bleiben.​

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